Galerie Shia Bender

29.07 — 26.08.2017

„AMADEUS“

Kanjo Takés Projektion „AMADEUS“ 

zu den Salzburger Festspielen auf die Fassade der Kollegienkirche (1696 – 1707) 

...knüpft sich an Mozart, an sein Reiseleben, vor allem an die Fahrt zur Uraufführung der Oper „Don Giovanni“ nach Prag im Jahr 1787.

 

Die Interpretation des deutsch-japanischen Medienkünstlers kreist immer wieder um tragische Ereignisse, um Abschied, Aufbruch, Todesahnungen. Der leidige Radbruch inmitten einer heiter feudalen Rokoko-Atmosphäre, monumentale Klangblöcke aus Mozarts letzter großer Komposition, dem „Requiem“ durchdringen sich mit Requisiten des Alltags: Kutschenräder, Pferdegalopp, die unvermeidlichen 3 Billardkugeln, quer geschossen, mit dem Bildschirm als Spieltisch, eine geraubte Pomeranze (Orange), Mörikes corpus delicti, unter den Fuß des Flügels geschoben. 

Frequenzen aus dem Requiem verschmelzen als Zackenbänder und luftige Schleifen mit Deichsel und Mittelachse des Gefährts. Aus dem universalen Grund formiert sich Mozarts Porträt, um in einem venezianischen Masken-Lineament aufzugehen. Die Opernbühne tritt auf: Columbine und Arlechino schwelgen in Rosenhimmeln, ein Menuett verdichtet sich zu einem kaleidoskopischen Ornament. Soldaten ziehen mit gezückten Bajonetten in den Krieg, angefeuert wie parodiert von der Marschmusik aus „Le nozze di Figaro“. Aus einer Feder fließt ein Strahl rotes Blut. Eine Pappel-Allee füllt sich mit Streichinstrumenten, ihre streng französische Barock-Stereometrie verliert (zwei Jahre vor dem Ausbruch der Revolution) die Facon und löst sich in Fetzen auf. Die aggressiven Koluraturkaskaden der Königin der Nacht bleiben stumm. 

Rückt dann der Kirchenraum ins Blickfeld? Opferkerzen en masse wachsen mit ihren Flammen in die Höhe, eine Regenwand überströmt das Kerzenlicht und versinkt in Lethe, dem schwarzen Fluss des Vergessens. Oder ruft die Schlusssequenz Taminos und Panimas Prüfung wach, bei denen sie „Feuergluten“ und „Wasserfluten“ bestehen? Dann würde nicht nur das „Requiem“, sondern auch die letzte Oper Mozarts, für das Ende stehen. 

Der Brief an den Vater, 6 Wochen vor dessen Tod 1787 abgesendet und von Kanjo Také mit weißen Buchstaben auf Wasser geschrieben, klingt wie eine Vorahnung des eigenen Todes, dem „Schlüssel zu unserer wahren Glückseligkeit“. 

Manfred Schneckenburger

Die Video-Projektion "AMADEUS" findet an folgenden Tagen statt: 
29.7, 30.7 | 5.8, 6.8 | 12.8, 13.8 | 15.8 | 19.8, 20.8 | 26.8, jeweils von 21:00 bis 22:00 Uhr.